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Der Basico (Grundschritt) im Tango – Kontroverse

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Ich möchte heute über eine Tanzfigur im Tango sprechen, die viele Schüler und Tangobegeisterte umtreibt. Einerseits, weil sie vordergründig so leicht zu unterrichten ist, andererseits, weil sie so schwer zu erlernen ist.

Wenn man einen erfahrenen Milonguero fragt, was denn der Grundschritt im argentinischen Tango ist, wird man häufig zu hören bekommen, dass es im Tango keinen solchen gibt, oder, dass es der einfache Gehschritt ist: das Caminar. Tango besteht aus Techniken, die sich wie Wörter zu Sätzen zusammenfügen lassen, was im Wesentlichen vom führenden Partner gesteuert wird.
Das ist das generelle Konzept, was jedoch schwer tanzdidaktisch umzusetzen ist. Seit den 40er [1] und 50er Jahren [2] hat sich ein Grundschritt entwickelt, welcher leicht zu unterrichten ist und sich universell auch auf sehr kleinen Tanzflächen, vornehmlich für den Showtanz verwenden lässt. Diese Kombination (El Basico) wurde von Juan Carlos Copes und Marie Nieves entwickelt, um ihre eigenen Choreografien zu gestalten und um zu unterrichten [2]. Seine Schüler und Bühnentänzer wurden die großen Lehrer und Multiplikatoren für den Tango in den späteren Jahren des 20. Jahrhunderts [2], dadurch wurde der Basico quasi der Standard für den Tango „para Export“. Der 8-Schritt Basico ist eine Weiterentwicklung des etwas einfacheren Grundschritts (des 6-Schritt Basicos oder auch Baldosa genannt) mit der Erweiterung des Kreuzes in der Position 5 für die Dame.

Die Schritte hierbei sind:

Start in geschlossener Position mit Gewicht auf LF (Dame RF), Damenschritte gegengleich wenn nicht bes. angegeben.

  1. RF rückwärts
  2. LF seitwärts
  3. RF vorw. (aussenseitlich Partner)
  4. LF vorwärts
  5. RF schließt (Dame kreuzt LF vor den RF)
  6. LF vorwärts
  7. RF seitwärts
  8. RF schließt

Diese Kombination hat mehrere Vorteile: einerseits können insbes. in den Schritten 1 und 6 Drehungen (Pivots) eingebaut werden, die es Anfängern ermöglichen durch Ecken zu tanzen und Showpaaren, ihre Choreografien besser zum Publikum einzustellen. Zudem bietet die Position des Kreuzschrittes der Dame eine Vielzahl von Bewegungsmöglichkeiten, „unendliche Kombinationen, fast Permutationen“ wie meine sehr verehrte Lehrerin Nicole Nau hinweist [1, p112].

Für den Anfänger bringt diese Schrittmöglichkeiten zunächst eine sichere Struktur und wiedererkennbare Positionen, von Schritt 1 bis 8 durchnummeriert [1]. Die Schritte 6-8 werden als „Resolución“ bezeichnet, die Anfangsschritte gemeinhin als „Salida“ [1], wobei hier keine durchgehende Nomenklatur bei unterschiedlichen Lehrern besteht (z.B. einer meiner Lehrer bezeichnete Schritte 1 und 2 als „Entrada“ und Schritte 3-5 als Salida).

Leider sind in dieser Schrittfolge einige komplexe Probleme versteckt, die sich für den Tango-Beginner nur mithilfe eines Lehrers auflösen lassen. Dies ist einerseits der aussenseitliche Schritt 3, der korrekt nur mit einer Schulterführung „al costado“ ab Schritt 2 getanzt werden kann und die Führung der Dame in die gekreuzte Position, die wiederum nur über die gegenläufige Schulterdrehung des Herren geführt wird.

Betrachtet man die Schritte des Basico hinsichtlich der Musik, fällt auf, dass die 8 Schritte getanzt im Takt (Compas), also alle Schritte auf S (Slow), genau mit vier Takten korreliert. Unterrichtet wird jedoch häufig eine rhythmisierte Version, bei welcher folgende Rhythmisierung über drei Takte verwendet wird: SSQQS QQS (Q bedeutet hier Quick). Hierbei fallen die geschlossenen Positionen auf das Ende eines Taktes und die folgenden Schritte auf Taktschlag 1, was besser mit der Musik korreliert.

Kommen wir zurück zur ursprünglichen Verwendung des Basicos als Showtanzgrundlage. Hier spielt der Raum nur eine untergeordnete Rolle, da der Tänzer ja viele Möglichkeiten zur Anpassung seiner Choreografie an die räumlichen Begebenheiten hat. Auch bei der musikalischen Gestaltung seiner Choreografie, die beim Bühnentänzer ohnehin auf die Phrasierung der Musik abgestimmt ist (sein sollte) bietet der Basico als Grundgerüst Vorteile, da Figurenelemente sicher in „posicion zero“ (Füsse geschlossen) als neue Aufbauposition [2] begonnen werden können. Probleme entstehen hier jedoch, wenn man das Konzept auf eine Milonga mitnimmt. Da in Buenos Aires die Milongas zumeist überfüllt sind und in einer gnadenlosen Ronda ohne Platz getanzt wird, macht insbes. der Schritt 1 Probleme, da häufig nach hinten kein Platz zur Verfügung steht. Abhilfe ist hier, den Schritt 1 am Platz zu tanzen, was die etwas fortgeschritteneren Tänzern (hoffentlich) automatisch tun werden. Die erfahrenen Milongueros tanzen hierbei keinen Basico mehr, sondern orientieren die Mehrzahl ihrer Schritte nach vorne.

Bei einer Vielzahl der Tango Lehrer ebenso wie im kompetitiven Tanz sieht man häufig den Beginn des Tanzes mit Schritt Nummer 2, hier als „Apertura“ bezeichnet. Dies hat den Vorteil, dass dieser stark betonte Schritt auf Taktschlag 1 erfolgt. Es ist hierbei jedoch schwierig dieses Konzept durchgängig zu verfolgen und für die Milonga ist es ohnehin nicht praktikabel. Bei diesem Konzept wird die Apertura häufig über zwei Slows (SS) getanzt.

Es bleibt die Erkenntnis, dass sich die Beschäftigung mit der Base für Milongueros noch über viele Jahre erstecken wird und die Emanzipation von diesem Konzept weder schnell, noch einfach ist.

Literatur

1   Nau-Klapwijk, Nicole: Tango Dimensionen. Kastell Verlag, 1999 (pp. 223-225).

2   Badion, Michelle: History of the 8-count basic in Argentine Tango:
      https://michellebadion.com/blog/f/history-of-the-8-count-basic-in-argentine-tango

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